Korntal-Münchingen | Glück im Alltag: Kleine Experimente für mehr Zufriedenheit
Weltglückstag am 20. März
Korntal-Münchingen (dpa/tmn) - Am 20. März ist Weltglückstag – und jedes Jahr zeigt der Weltglücksbericht (World Happiness Report), in welchen Ländern Menschen besonders zufrieden mit ihrem Leben sind. Oft stehen dabei die nordischen Länder an der Spitze. Solche Rankings sind für viele ein Anlass, sich mit dem eigenen Glück auseinanderzusetzen – und der Frage: Wie werde ich glücklich?
Was Glück bedeutet, ist dabei nicht eindeutig. «Im Deutschen hat Glück zwei Bedeutungen», sagt Nanni Glück, die als Psychologin, Trainerin und Coach in der Nähe von Stuttgart arbeitet. «Es kann bedeuten, Glück zu haben – oder glücklich zu sein.» Aufgrund dieser Zweideutigkeit kommt es vor, dass Menschen glauben, zum eigenen Glück gar nicht so viel beitragen zu können.
Tatsächlich meint die Psychologie mit Glück vor allem keinen Zufall, sondern einen Zustand: das, was Fachleute als «subjektiv empfundene Lebenszufriedenheit» bezeichnen. Nanni Glück betont, dass es dabei um ein langfristiges Gefühl geht – nicht um kurze Hochs. In diesem Verständnis ist Glück nichts, das man hat, sondern etwas, das man erlebt – und mitgestalten kann.
Viele Menschen glauben trotzdem, ihre Zufriedenheit hänge vor allem von äußeren Umständen ab. «Und dann tappen wir relativ schnell in die Wenn-Dann-Falle», so Nanni Glück: Wenn ich meinen Job ändere, wenn ich endlich einen tollen Partner habe, wenn ich in Rente bin – dann werde ich glücklich sein. In diesem Denken wird Glück immer wieder auf später verschoben.
Des eigenen Glückes Schmied?
Ganz losgelöst von äußeren Umständen funktioniert Glück allerdings nicht. «Es braucht bestimmte äußerliche Rahmenbedingungen, damit ich von so etwas wie innerer Zufriedenheit oder seelischem Wohlbefinden reden kann», sagt Glück. Sie verweist auf Grundbedürfnisse wie Sicherheit, ein Dach über dem Kopf und ein verlässliches Einkommen. Sind diese Grundlagen erfüllt, rücken andere Fragen in den Vordergrund: Wie kann ich meine Stärken nutzen? Wo habe ich das Gefühl, etwas bewirken zu können?
Hier setzt ein Perspektivwechsel an: weg vom Mangel, hin zu dem, was schon da ist. «Wofür kann ich dankbar sein? Dankbarkeit als Basis für nachhaltiges Glück oder nachhaltige Zufriedenheit», beschreibt Nanni Glück. Wer bewusst hinsieht, entdecke oft, dass bereits vieles vorhanden ist, was Zufriedenheit ermöglicht. «Dieser Blickwechsel, weg von was fehlt, hin zu was ist schon da, zeigt mir dann: Oh wow, ich habe ja schon total viel. Und eigentlich habe ich auch schon alles in mir, was es braucht, um zufrieden und glücklich zu sein.»
Und es gibt Möglichkeiten, Freude im Alltag zu nähren. Nanni Glück empfiehlt kleine Experimente, die leicht umzusetzen sind. Zum Beispiel:
- «Immer wenn ich mit all meinen Sinnen ganz im Hier und Jetzt bin, dann fühle ich mich lebendig», sagt sie. Ein starker Sinnesreiz wie eine kalte Dusche am Morgen, barfuß durchs Gras gehen oder schlicht Bewegung, kann helfen, wieder in Kontakt mit der eigenen Lebendigkeit zu kommen.
- Lebendigkeit entstehe auch, wenn wir Neues wagen und Routinen durchbrechen – etwa, indem man einen anderen Weg nimmt oder sich nach dem Motto «zweimal links, einmal rechts» treiben lässt.
- Eine weitere Zutat ist Verspieltheit. «Wenn wir verspielt sind, dann ist unser Gehirn bereit, sich neuroplastisch zu verändern», sagt Glück. In solchen Momenten lernen wir, entwickeln uns weiter und wachsen manchmal sogar über uns hinaus.
Krise und Glück - was die Gleichzeitigkeit fürs Glück bedeutet
Gleichzeitig erleben viele Menschen die Gegenwart als Zeit der «Multikrisen»: Kriege, Klimasorgen, wirtschaftliche Unsicherheit. «Darf ich denn überhaupt glücklich sein, wenn doch so schlimme Dinge in der Welt passieren?», formuliert Nanni Glück eine verbreitete Frage. Hier gehe es um Ambiguitätstoleranz – also darum, dass Schönes und Schreckliches nebeneinander existieren können.
Und: Gerade weil die Welt komplexer wirkt, sei Selbstfürsorge wichtiger denn je. Nur wenn Menschen «in ihrer Kraft» seien, könnten sie andere unterstützen und kreative Lösungen für neue Probleme entwickeln. Wer dagegen dauerhaft gestresst oder von Angst überwältigt sei, reagiere nur noch, statt aktiv zu handeln.
Am Ende gehe es deshalb nicht um dauerhafte Euphorie, sondern um ein stabiles, freundliches Verhältnis zum eigenen Leben. Oder wie Nanni Glück es formuliert: «Die Welt braucht jeden Einzelnen von uns in seiner besten Version.»
© dpa-infocom, dpa:260319-930-836856/1
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