Bilder von der Community verschönern lassen – praktisch, aber mit Risiken
5.1.2026
- Viele Menschen posten Bilder in Facebook-Gruppen mit der Bitte, diese Bilder zu verbessern bzw. nach individuellen Wünschen zu bearbeiten.
- Das ist praktisch, birgt aber Risiken, weil die Bildgeber die Kontrolle über ihre Bilder verlieren (können).
- Die Fotos können über die Gruppe hinaus genutzt und im schlimmsten Fall als Basismaterial für Fake-Profile verwendet werden.
„Da Gesichtsinformationen biometrische Daten darstellen, können sie bei Weitergabe oder Missbrauch schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre und potenzielle Sicherheitsrisiken bergen. Daher hat sich der Schutz der Privatsphäre im Zusammenhang mit Gesichtserkennung zu einem dringenden globalen Problem entwickelt, das sofortiges Handeln erfordert.“
Rezensionsartikel „Gesichtsschutz im digitalen Zeitalter“ in Band 58 der Computer Science Review im November 2025
Teils sehr private Bilder
„Könnt Ihr mir bitte eine andere Frisur machen“ oder „Hallo ihr Lieben! Könnte jemand von Euch diese beiden hier „zusammenbringen“ irgendwie was liebevolles? Es sind Mutter und Sohn…“ – solche und ähnliche Bitten finden sich zunehmend in speziellen Facebook-Gruppen. Diese heißen „KI Bilder zum Leben erwecken“ oder „Mira – Bilder mit KI erstellen und bearbeiten“. Als öffentliche Gruppen versprechen sie den Service, Bilder mit KI zu animieren, zu verschönern oder kreativ zu verändern. Dafür werden von den Nutzenden meist sehr private Bilder hochgeladen. Von der Community werden die Bilder verarbeitet und die Ergebnisse in den Kommentaren gepostet. Das birgt besonders bei Bildern von Angehörigen, Freunden und generell Personen einige Risiken.
Private Bilder auf Facebook
Vielen Menschen sind die Auswirkungen nicht bekannt, wenn sie ihre teils ganz persönlichen Bilder z.B. bei Facebook hochladen. Denn sie behalten zwar die Urheberrechte. Aber Facebook bzw. Meta – der Konzern hinter Facebook – kann das Bild weltweit nutzen. In seinen Nutzungsbedingungen heißt es dazu: „Wenn du Inhalte, die durch Rechte am geistigen Eigentum geschützt sind (z. B. Fotos oder Videos), (…) mit unseren Diensten teilst, postest oder hochlädst, gewährst du uns eine nicht-exklusive, gebührenfreie, übertragbare, unterlizenzierbare, weltweite Lizenz, diese Inhalte zu hosten, zu nutzen, zu verbreiten, zu verändern, auszuführen, zu kopieren, öffentlich vorzuführen oder weiterzuleiten.“ Zudem können Facebook und Co die hochgeladenen Dateien seit Mai 2025 auch für das Training der eigenen KI nutzen.
Private Bilder in Gruppen
Wer sein Bild in einer solchen Gruppe hochlädt, geht zudem die Gefahr ein, die Kontrolle über sein Bild zu verlieren. Denn die Community kann (und muss es für die Verarbeitung ja auch) das Bild herunterladen, speichern, bearbeiten und wieder posten. Über diesen Vorgang und die Ergebnisse haben die „Foto-Einreichenden“ keine Kontrolle mehr. Und wenn ein Community-Mitglied die Bilder außerhalb von Facebook weiterverwendet, ist das juristisch zwar fragwürdig, aber schwer nachzuweisen. „Durch Teilen, Markieren oder technische Weiterverarbeitung können Fotos eine Reichweite entfalten, die der ursprüngliche Nutzer weder beabsichtigt noch überblickt,“ warnt z.B. die Anwaltskanzlei Weiß&Partner und schreibt weiter: „Für viele Betroffene ist es besonders belastend, wenn private Fotos plötzlich auf fremden oder sogar problematischen Webseiten auftauchen.“ Ist ein Bild einmal in so einer ungewünschten Umgebung „gelandet“, ist es rechtlich oft aufwendig und zeitintensiv, es wieder entfernen zu lassen.
„Biometrie-Rohstoff“
Das Hochladen persönlicher Bilder öffnet das Tor auch zu weiteren Risiken. Die privaten Fotos können gespeichert und später als „Biometrie-Rohstoff“ für Gesichtssuchen genutzt oder für Profiling verwendet werden. Beim Profiling werden aus dem hochgeladenen Bild heraus Rückschlüsse auf die Person gezogen wie z.B. Alter, Wohnort oder Interessen. Betrüger nutzen solche Daten, um u.a. zielgerichtete Betrugsmaschen sogenannte Scams zu erstellen. Profiling-Daten werden zudem auch genutzt, um Fake-Profile zu erstellen. Sie wirken besonders glaubwürdig, weil sie auf echten Bildern und Details beruhen. Im schlimmsten Fall können die so erzeugten Bilder auch für einen Identitätsdiebstahl genutzt werden, um zum Beispiel Konten zu kapern oder Verträge abzuschließen.
Achtung: Fotos von Verwandten und Freunden
„Kann jemand Onkel Noah im Hintergrund schärfer machen“ oder „Bitte entfernt meinen Ex aus diesem Bild“ – wer seine Bilder mit solchen Anweisungen in Gruppen hochlädt, der sollte vorsichtig sein. Schnell kann so gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen werden. Denn sie verlangt, dass für auf einem hochgeladenen Foto erkenn- bzw. identifizierbare Personen eine Einwilligung vorhanden sein muss. Das gilt natürlich nicht für das eigene Foto, aber die DSGVO greift für alle weiteren Personen – sofern sie nicht besonderen Regeln wie zum Beispiel Prominenz unterliegen. „Die betroffene Person hat außerdem das Recht, ihre Einwilligung zu widerrufen,“ schreibt Amalie Wiedberg in einem Text zur DSGVO auf Fotoware. Das kann allerdings schwierig bis unmöglich werden, wenn ein solches Bild in einer Community „kursiert“.
Achtung: Kinderfotos
Die Missbrauchsmöglichkeiten durch das Hochladen von Kinderfotos – auch in solchen Gruppen – sind ein eigener Forschungsbereich: Sharenting lautet der Fachbegriff. Es setzt sich aus „Sharing“ (Teilen) und Parenting (Elternschaft) zusammen. Er bezieht sich auf das möglicherweise folgenschwere Hochladen von Kinderfotos: „Selbst unbeabsichtigt kann dieses wachsende Phänomen Kinder schwerwiegenden Risiken aussetzen, darunter sexueller Ausbeutung, zukünftigen emotionalen Belastungen und digitaler Entführung,“ warnten Fachleute schon 2023 in einem Fachjournal und schreiben weiter: „Das Teilen von Bildern, Videos und jeglichen Inhalten mit Kindern bedeutet faktisch, ohne deren Zustimmung oder Wissen ein „digitales Dossier“ anzulegen.“ In Zeiten von KI und deren zunehmenden Bild-Bearbeitungsmöglichkeiten werden diese Gefahren eher noch größer.
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