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Lebenszeichen per App – „Are you dead“-App boomt

26. Januar 2026

  • Die iOS-App „Are you dead“ stürmt von China ausgehend die iPhone-App-Charts.
  • Die einfach aufgebaute App hat nur eine Funktion, in einem festen Rhythmus fragt sie ihre Nutzenden, ob sie noch leben.
  • Die App ist als Reaktion auf die wachsende soziale Isolation in China entwickelt worden

„Demumu begleitet dich als stille Sicherheitsinstanz. Tägliche Check-ins signalisieren, dass alles in Ordnung ist – ungewöhnliche Situationen lösen frühzeitige Benachrichtigungen aus. So bekommen Menschen, die sich um dich sorgen, ein gutes Gefühl, und du selbst eine zusätzliche Schutzebene.“ 

Aus der Demumu-App-Beschreibung von „Are you dead“ 

Von Handling und einer Benachrichtigung

Die Nutzung von „Are you dead“ ist denkbar einfach. Nutzenden brauchen kein Login und müssen sich auch nicht registrieren. Es reicht einfach, den Notfallkontakt – Lebenspartner, Familienmitglieder oder eine vertraute Person - mit der E-Mail-Adresse einzugeben. In der Folge müssen die Nutzenden sich einmal pro Tag über die App melden. Das ist denkbar einfach, denn die App zeigt auf dem Screen nur einen großen CheckIn-Knopf. „Wenn du dich mehrere Tage hintereinander nicht über die App meldest, wird am folgenden Tag automatisch eine E-Mail an diese Person gesendet,“ heißt es zur Nutzung in der App-Beschreibung. Der Notruf-Kontakt bekommt dann eine Mail mit dem Betreff „Eine wichtige Mitteilung“ – der Text: „Ich bin seit mehreren Tagen inaktiv. Bitte überprüfe meine physische Verfassung.“    

Von Kosten und Clones

„Are you dead“ konnten Interessentinnen und Interessenten zunächst kostenlos im App Store runterladen. Mittlerweile kostet die Version der chinesischen Firma Moonscape fast 8 Euro. Allerdings hat der Erfolg der App viele Nachahmer gefunden. So finden sich im App Store mittlerweile zahlreiche ähnlich benannte Apps. Sie sind kostenlos bzw. für bis zu einem Euro erhältlich. Ähnlich sieht es auch im Google-Playstore aus. „Are you dead“ aus den USA, „Are you dead?“ aus Indonesien oder „Are you dead? | Lonely App“ aus Russland sind nur drei der zahlreichen App-Clones, von den Nutzende voraussichtlich besser die Finger weglassen. 

Von Kritik und Anregungen

Der Name der App sorgt immer wieder für Kritik. Nutzende empfinden ihn als zu negativ, er erinnere sie täglich an ihr Ableben. Die Alternativ-Vorschläge gehen in Richtung „Are You Alive“ bzw. „Geht es dir gut?“, um so einen positiveren Klang zu bekommen. Das deutsche Magazin t3n, spezialisiert auf Informationen aus der digitalen Wirtschaft, berichtet zudem von technischen Verbesserungswünschen der chinesischen Nutzenden. Sie schlagen vor, dass z.B. die Benachrichtigung der Notfallkontakte auch per SMS alternativ zur Mail erfolgt. Die App-Macher stehen den Anregungen offen gegenüber. Gegenüber Global Times sagten sie: „Wir werden uns als Nächstes auf die Verfeinerung des Produkts konzentrieren - zum Beispiel die Bereicherung der SMS-Benachrichtigungsfunktionen, die Erwägung einer Messaging-Funktion und die Erforschung Älterer freundlicher Produkte.“

Von Einsamkeit und Sicherheit

„Ich mache mir Sorgen, dass ich, wenn mir etwas passieren würde, allein an dem Ort sterben könnte, den ich miete, und niemand würde es wissen. Deshalb habe ich die App heruntergeladen und meine Mutter als Notfallkontakt eingestellt." So beschreibt Wilson Hue aus Peking gegenüber der BBC seine Motivation, die App zu nutzen. In China wächst die Zahl der Ein-Personen-Haushalte permanent: Laut Global Times, einer englisch-sprachigen, in China erscheinenden Tageszeitung, könnten bis zum Jahr 2030 bis zu 200 Millionen Menschen alleine leben. Auch in Deutschland zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Die Statistiker zählen immer mehr Ein-Personen-Haushalte. 17 Millionen waren es im Jahr 2025, das entspricht dem Höchstwert von über 40 Prozent aller Haushalte in Deutschland. Viele werden ähnliche Ängste haben, wie sie Wilson Hue formuliert hat.


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