London | Comeback der Kultband Rush: «Es geht darum, Spaß zu haben»
Kanadische Kultrockband
London (dpa) - Lange Zeit waren sich Geddy Lee und Alex Lifeson unsicher, ob sie noch einmal als Rush auf Tournee gehen sollten. Zu tief saß der Schmerz nach dem Tod von Schlagzeuger und Lyriker Neil Peart. Doch mit dem Segen von Pearts Familie entschied sich das Duo zu einem Comeback. Jetzt haben die kanadischen Rockikonen eine Europa-Tournee mit fünf Konzerten in Deutschland angekündigt. Unterstützt werden Rush dabei von der renommierten deutschen Schlagzeugerin Anika Nilles.
Comeback nach mehr als einem Jahrzehnt
«Wir haben nach Neils Tod eine lange Phase durchgemacht, die schwierig und emotional war», erzählt Bassist und Sänger Geddy Lee (72) im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Peart war 2020 an den Folgen eines Hirntumors gestorben. Es schien das Ende von Rush zu sein. «Du vergisst, dass es deine Songs sind, dass sehr viel von dir selbst in diesen Liedern steckt», sagt Lee. «Es ist völlig legitim, sich diese Songs wieder ein Stück weit zu eigen zu machen.»
Fast elf Jahre nach ihrem letzten Konzert mit Peart starten Rush in diesem Sommer in Los Angeles ihr großes Bühnencomeback - sicher mit Klassikern wie «Tom Sawyer», «Subdivisions» oder «2112». Die «Fifty Something»-Tour beginnt im Juni in Los Angeles und führt Kanadas einflussreiche Progressive-Rock-Band 2027 nach Europa. Im Februar und März sind Auftritte in Berlin, München, Köln, Hamburg und Stuttgart geplant.
In Europa spielte die Kultband zuletzt vor 13 Jahren. «Es tat mir wirklich leid, dass wir mit unserer letzten Tour nicht nach Großbritannien und Europa gekommen sind», sagt Lee. «Für mich war es eine klare Bedingung: Wenn wir noch einmal auf Tour gehen, dann muss Europa Teil davon sein.»
Paul McCartney riet zum Bühnencomeback
Auf dem Weg zum Bühnencomeback waren die Tribute-Konzerte für den verstorbenen Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins, bei denen Geddy Lee und Alex Lifeson 2022 mit verschiedenen Schlagzeugern auftraten, der erste Schritt. «Geddy und ich haben wahrscheinlich sechs Wochen vor dem Event damit verbracht, jeden Tag zu üben», erzählt Gitarrist Lifeson (72).
«Nach den Shows waren wir ziemlich euphorisch und haben uns mit all den anderen Musikern unterhalten», sagt Lee. «Die haben uns dazu ermutigt, wieder auf Tour zu gehen. Paul McCartney zum Beispiel hat uns einen Vortrag gehalten, warum wir wieder auf Tour gehen sollten.» Als es allerdings konkret wurde, entschied sich der vielbeschäftigte Lifeson zunächst gegen eine Tour. «Wenn man sich darauf einlässt, muss man viel Zeit investieren.»
Doch die engen Freunde jammten gelegentlich zusammen. «Bei einer dieser Sessions spielten wir einen unserer alten Songs. Und Alex grinste», erzählt Lee. «Es machte einfach riesigen Spaß», bestätigt der Gitarrist. «Und darum geht es doch. Es ist harte Arbeit und Hingabe und all das – aber am Ende des Tages geht es darum, mit seinem Kumpel Spaß am Spielen zu haben.»
Eine Mannheimerin trommelt für Rush
Nun galt es noch, den vakanten Posten am Schlagzeug zu besetzen. Lees Basstechniker empfahl Anika Nilles, die er von einer Tournee mit Gitarrenikone Jeff Beck kannte. Die gebürtige Aschaffenburgerin, die in Mannheim lebt und mit den Drum-Videos «Wild Boy» und «Alter Ego» international für Aufsehen sorgte, wurde zu Proben nach Kanada eingeladen.
«Das war natürlich erst mal überwältigend, mit den beiden im Studio in so einer kleinen Runde zusammenzuspielen», erzählt Nilles im dpa-Interview. Die 42-Jährige ist sich der großen Fußstapfen bewusst, die Drum-Legende Neil Peart hinterlassen hat. «Neil ist einfach ein Teil dieser Musik und das kann man nicht ausblenden oder übergehen oder sein eigenes Ego da reinbringen, sondern es ist etwas, das man mit Respekt angehen muss und mit viel Feingefühl.»
Nilles überzeugte das Rush-Duo menschlich, musikalisch und mit ihrer Leidenschaft. «Ich sehe in ihren Augen dasselbe, was man bei Neil sehen konnte, wenn er über Schlagzeug sprach», schwärmt Lifeson. Dabei war die Musik größtenteils Neuland für sie. «Sie ist ein wenig jünger als wir», sagt Lee und lacht, «und ist nicht mit einer tiefgehenden, persönlichen Kenntnis von Rush aufgewachsen.»
Die Musik erweckt zum Leben
«Der wichtigste Punkt ist einfach, das Feeling zu treffen», erklärt Nilles ihre Herangehensweise, «sodass es sich für die beiden gut anfühlt, ihre Musik wieder zu spielen. Und letztendlich fühlt es sich dann auch für die Fans richtig an.» Nach den Kommentaren im Internet zu urteilen, stößt ihre Wahl schon jetzt auf Zustimmung bei den Fans.
Bei Geddy Lee und Alex Lifeson, die auf der Bühne zudem von Keyboarder Loren Gold (The Who) unterstützt werden, ist die Vorfreude groß. «Ich kann dir sagen, dass einige Leute in unserem Umfeld, die uns beim Proben gehört haben, finden, dass es für sie wie Rush klingt», sagt Lee und lächelt zufrieden.
«Wir kommen in den Proberaum, und unsere langjährigen Crew-Mitglieder und andere Menschen, die uns nahestehen, haben Tränen in den Augen. Sie hören, wie die Musik wieder zum Leben erwacht. Das ist etwas sehr Positives.»
© dpa-infocom, dpa:260226-930-737594/1
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